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Titel
Grafische Darstellung

Alpweidetypen

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Blaugras-Rasen
Flachgründige Böden sind in den Luzerner Alpen meist Kalkstein-reich. Die kalkliebenden Pflanzen des nährstoffarmen Blaugras-Rasens prägen diese kalkhaltigen Rohböden (Rendzina): Blaugras, Horst-Segge, Wund- und Hufeisenklee, Silbermantel und bewimperte Alpenrose sind untrügliche Zeigerpflanzen. An höher gelegenen, sonnigen Hängen zieren das seltene Edelweiss und die Alpenaster diesen Pflanzenbestand
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Saurer Magerrasen
Wo der Boden auf dieser Kalkunterlage nach tausenden von Jahren tiefgründiger geworden ist (Podsol), haben sich die Bewohner von sauren Magerrasen eingestellt. Der Kalkstein ist hier längst verwittert und durch das Regenwasser in tiefere Schichten gewaschen worden. Reichlich Säure macht die Lebensbedingungen für viele Bodenlebewesen unwirtlich. Rohhumus reichert sich an, der Boden wird noch saurer. Da fühlen sich Säurezeiger wie das Borstgras (Burst, Nätsch), die Heilpflanze Arnika, die Bärtige Glockenblume oder das Katzenpfötchen wohl. Wo es sehr sauer wird, nehmen Zwergsträucher überhand wie Heidekraut, Heidelbeeren, Alpenrosen und Zwergwacholder. Diese Weiden sind wertvoll für die Artenvielfalt, für wählerische Milchkuhmäuler aber sind sie wertlos.
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Kammgras- und Milchkrautweiden
Auch auf den alten, schwach sauren Braunerde-Böden ist der Kalkstein erst weiter unten anzutreffen. Allerdings lassen hier die Nährstoffe aus Kot und Harn des Viehs (bzw. aus Mist und Gülle) die saftigen Pflanzen der Kammgras- und Milchkrautweiden kräftig gedeihen. Alpen-Rispengras, Kammgras, Rätisches Lieschgras bilden eine dichte Grasnarbe. Schmackhafter Weiss-, Rot-, Braun-, Schoten- und Thalsklee mit den Milchkräutern Gold-Pippau, Rauer und Herbst-Löwenzahn, mit Muttern und Alpen-Wegerich (Adelgras) setzen sich zu einem Tierfutter von hohem Nähr- und Wirkstoffgehalt zusammen, zu einem eigentlichen Vollwert-Menü. Für den Menschen sind sie zudem eine Augen- und Seelenweide. Dass schon die Vorfahren unserer Älpler den Futterwert dieser Pflanzen ohne chemische Futteranalyse kannten, kommt im alten Reim zum Ausdruck: „Romeye *, Muttern und Adelgras**, das Beste was das Chueli frass“ (*Alpen-Rispengras. ** Alpen-Wegerich)
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Lägerfluren
Überfeisse Lagerplätze findet man mehr oder weniger ausgedehnt auf allen Alpen in Hüttennähe und auf ebenen Stellen. Die Lägerpflanzen Alpen-Blacke, Alpen-Kreuzkraut (Brägel, Stafelbeeni), Blauer Eisenhut, Guter Heinrich oder Brennesseln zeigen an, dass hier Kühe unter freiem Himmel laufend ihr Geschäft verrichtet haben. Die Pflanzen dieser Mega-Fettweiden reagieren mit überbordendem Blattwerk auf die Nährstoffanreicherung auf kleiner Fläche. Die geschätzten Futterpflanzen der Kammgras- und Milchkrautweiden kommen dabei buchstäblich unter die Blätter. In der Weidetypen-Fachsprache heissen diese Pflanzenbestände “Lägerfluren”.
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Binsenweiden
Binsen (oder in der Älplersprache „Ried“) haben hohle Stängel. Anders als anspruchsvolle Pflanzen gedeihen sie in feuchten, tonigen Böden, weil sie über die Röhre Atemluft in die Wurzeln leiten können. Binsen prägen, gut angepasst an die hohen Niederschlagsmengen, viele tonreiche Nassweiden oder eben Binsenweiden. Neben Weissem und Scharfem Hahnenfuss ist auch die Sumpfdotterblume eine treue Begleiterin der Binsen. Zum Missfallen der Älpler dehnen sich die Binsenweiden in den letzten Jahren aus. Sie profitieren von den kürzeren, milderen Wintern. In den feuchtkühlen Spätherbstmonaten können sie während längerer Zeit Reserven einlagern als ihre Mitbewerber. Sie ertragen auch die vermehrt auftretenden Wetterextreme besser, dazu die schleichende Versauerung über die Niederschläge und den zunehmenden Phosphormangel. Man könnte die Binsen mit häufigem Schnitt zurückdrängen, doch dazu fehlt heute vielen Älplern die Zeit.
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Wechselfeuchte Flachmoore
Die Diskussion über die Flachmoore hat während Jahren die Gemüter von Älplern und Naturschützern erhitzt. Ohne jahrhundertalte Beweidung gäbe es diese Flachmoore gar nicht, argumentieren die Älpler, während Naturschützer entrüstet auf die argen Trittschäden auf Flachmooren hinweisen. Letztlich haben beide ein Stück weit Recht. Die Beweidung von Flachmooren ist eine anspruchsvolle Gratwanderung. Es gilt zu unterscheiden: Bei wechselfeuchten Flachmooren auf gefleckten „Lätt“böden hat während Jahrhunderten eine massvolle Beweidung mit wenigen leichtgewichtigen Rindern das Zuwachsen mit Gehölzen verhindert. Wo in den letzten Jahrzehnten mit mehr oder schwereren Tieren geweidet wurde, zeigten sich bald empfindliche Schädigungen an der Pflanzendecke der Flachmoore. Unter den Tritten der Tiere litten Orchideen, Wollgräser, Moorenzian, Mehlprimel und andere seltene Pflanzen, welche die Wanderer erfreuen.
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Nasse Flachmoore
Bei nassen Flachmooren auf bläulich gefärbten „Lätt“böden ist die Sachlage klarer. Sie wurden seit jeher zur Selbstversorgung mit Streue gemäht. Der späte Streueschnitt, oft nur jedes zweite Jahr, hat die grosse Vielfalt an Pflanzen und Insekten auf Flachmooren geschaffen und ihr Überleben gesichert. Billiges Getreidestroh aus dem Unterland ersetzte in den 1970er und 80er Jahren zunehmend die arbeitsaufwändig geerntete Streue von der Alp. Wegen der steigenden Kosten begannen viele Älpler, diese früheren Streueflächen zu düngen und zu beweiden – dies zum Nachteil für die Artenvielfalt und den ohnehin schon geringen Futterwert des Grases.
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