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Grafische Darstellung

Die wilden Nachbarn

Bevor die Menschen die Bergtäler des Alpenraumes besiedelten, und ihr Vieh im Sommer auf die Berge trieben, gehörten die alpinen Rasen oberhalb der Waldgrenze alleine den wilden Huftieren. Im Rhythmus der Jahreszeit und im ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens nutzten Steinböcke, Gämsen, Rothirsche und vereinzelte Rehe die vielfältige Alpenvegetation. Dabei differenzierten die einzelnen Arten, im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte, die räumliche und zeitliche Nutzung des alpinen Lebensraumes.
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Ähnlich wie heute das Weidevieh, hielt sich der Rothirsch nur im Sommer auf den alpinen Grasflächen auf. Nach der Brunftzeit, Ende September, wanderte er über grosse Distanzen talwärts, um in den Auenwäldern der Flusstäler zu überwintern. Erst mit der Schneeschmelze kehrte er auf traditionellen Wechseln zuerst in die Bergwälder und dann auf die Alpweiden zurück. Heute sind die Flusstäler durch Siedlungen und Verkehrsträger  für den Rothirsch nicht mehr zugänglich und die Auenwälder nur noch in Restbeständen vorhanden. Damit wird der Rothirsch gezwungen in südexponierten Bergwäldern zu überwintern.
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Ganz anders der Steinbock! Angepasst an die unwirtlichen Verhältnisse der schroffen Bergwelt, trotzt er stolz und standhaft auch dem strengsten Winter. Genügsam nutzt er dort die dürren Grashalme, wo sie durch stürmische Winde auf exponierten Gr4ten frei geweht wurden. Nur im Frühling sucht er für kurze Zeit tiefere Lagen auf, um in schneefreien Lawinenzügen das erste eiweissreiche Grün zu äsen.
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Die Gämse wiederum versteht sich bestens darauf, das ganze Lebensraumangebot der Alpenwelt zu nutzen. In steilen Bergwäldern, auf saftigen Alpweiden und hoch in den Felsbändern deckt ein breites Spektrum von Äsungspflanzen ihren Nahrungsbedarf. Instinktsicher suchen die Gämsrudel im Winter bevorzugt südlich exponierte Hänge auf. Dort, wo durch Schneerutschungen die spärliche Vegetation freigelegt wird, finden sie selbst weit über der Waldgrenze noch Äsung.
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Das Reh ist entwicklungsgeschichtlich ein Tier der halboffenen Landschaft. Das Mosaik von Wald und offenen Weiden im Voralpengebiet entspricht seinen Lebensraumbedürfnissen. Über der Waldgrenze dürfte es nur ausnahmsweise zu beobachten sein, fehlt doch hier die Deckung, um sich bei Gefahr zu drücken und für Feinde unsichtbar zu machen.
Eine Nachbarschaft; nicht ganz frei von Konflikten
Vor allem im 18. Jahrhundert führten die Waldweide mit Kleinvieh und eine generelle Übernutzung der Wälder zu einem drastischen Lebensraumverlust für die wildlebenden Huftiere. Gleichzeitig war als Folge der Armut die Wilderei unter der Bergbevölkerung weit verbreitet und durch die Entwicklung präziser Waffen waren die Huftiere im luzernischen Alpengebiet Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Erst durch das 1. Bundesgesetz über die Jagd (1875) wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass sich die Wildbestände wieder erholen konnten.
Während Jahrtausenden wurden die wildlebenden Huftiere im Alpenraum durch Wölfe, Bären und Luchse reguliert. Heute übernimmt der Bergjäger diese Aufgabe. Durch einen sorgfältig geplanten jagdlichen Eingriff wird der Wildbestand der Tragfähigkeit des Lebensraumes angepasst. Dies ist eine anspruchsvolle Herausforderung für die Jagd.
Aber auch die Alpwirtschaft steht vor einer grossen Aufgabe und Verpflichtung. Vor allem bei der Sömmerung von Schafen ist den Lebensraumansprüchen der wilden Huftiere Rechnung zu tragen. Nur eine standortangepasste alpwirtschaftliche Nutzung bietet dafür Gewähr, dass sich auch kommende Generationen an den „wilden Nachbarn“ der Älpler freuen können.
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